
Velbert: Teilgeständnis im Prozess um Bohnen, Speck und Gift
Vor dem Landgericht Wuppertal hat der Prozess um mutmaßliche Giftanschläge aus Velbert begonnen. Eine Mitangeklagte legte zum Auftakt ein Teilgeständnis ab.
Veröffentlicht: Mittwoch, 08.07.2026 15:07
Vor dem Landgericht Wuppertal hat am Mittwoch, 8. Juli 2026, der Prozess gegen zwei Frauen begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, den Ehemann einer der beiden Angeklagten mehrfach mit Gift angegriffen zu haben. Angeklagt sind eine 59-Jährige aus Velbert und eine 60-Jährige aus Bayern. Beide müssen sich wegen versuchten Mordes aus Habgier verantworten. Nach Angaben der Anklage sollen die Taten über mehrere Wochen vorbereitet und ausgeführt worden sein.
Teilgeständnis einer Mitangeklagten
Eine der beiden Angeklagten ließ zum Prozessauftakt über ihren Verteidiger ein Teilgeständnis verlesen. Demnach habe sie für ihre Freundin das Gift besorgt, deren Mordpläne aber nicht ernst genommen. Nach ihrer Darstellung hielt sie die Äußerungen für leeres Gerede. Außerdem erklärte ihr Verteidiger, ihr Urteilsvermögen sei damals wegen einer Krebserkrankung und hohen Alkoholkonsums beeinträchtigt gewesen. Die Frau aus Bayern bedauere ihre Taten und sei bereit, 5.000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Die 59-Jährige aus Velbert äußerte sich zum Auftakt nicht. Ihr Anwalt kündigte eine spätere Aussage an.
Vorwurf: Gift in Bier und Essen
Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft soll die Hauptangeklagte ihrem Mann in Velbert wiederholt Gift in Bier und Speisen gemischt haben. Dabei soll es zunächst um zermahlene Pflanzensamen gegangen sein, später auch um Bestandteile des hochgiftigen Blauen Eisenhuts. Mehrere mutmaßliche Giftanschläge sollen ohne Wirkung geblieben sein. In ein oder zwei Fällen soll es laut Anklage auch darum gegangen sein, den Mann schläfrig zu machen. Hintergrund sei gewesen, dass die Angeklagte eine Trennung und finanzielle Nachteile befürchtet habe.
Mann überlebte schwere Vergiftung
Besonders schwer soll ein Vorfall Anfang November 2025 gewesen sein. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft erlitt der Mann nach dem Essen seines Lieblingsgerichts - weiße Bohnen mit Speck - schwere Vergiftungserscheinungen. Er kam in ein Krankenhaus, musste dort in ein künstliches Koma versetzt werden und schwebte in Lebensgefahr. Ärzte konnten ihn stabilisieren. Der damals 56-Jährige überlebte den Vorfall knapp. Das Gericht muss nun klären, ob und in welchem Umfang sich die Vorwürfe gegen die beiden Frauen bestätigen.